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Beginn der Osteopathie - Andrew Taylor Still datiert die Geburtsstunde der Osteopathie auf einen Vormittag des 22. Juni 1874. An diesem Vormittag wurde ihm, seiner Darstellung nach, plötzlich klar, was seine auf Lektüre, Beobachtung, Erfahrung und Erprobung basierende Behandlungsmethode so erfolgreich machte.

Als Still mit einem Freund in der Stadt unterwegs war, begegnete er einer Mutter mit drei kleinen Kindern. Er erkannte sofort, dass eines der Kinder an Ruhr erkrankt war, was zu dieser Zeit den sicheren Tod bedeutete. Er nahm das Kind auf den Arm und behandelte es in folgender Weise: Mit einer Hand behandelte er die Wirbelsäule und die Paravertebralmuskulatur, wie es die Bonesetter machten. Die andere Hand legte er auf den Bauch des Kindes und fühlte sich in das Gewebe hinein, wie es die Geistheiler taten. Nach kurzer Zeit merkte er wie sich gleichzeitig mit der Entspannung der Paravertebralmuskulatur die Peristaltik im Bauch des Kindes verbesserte. Das Kind wurde gerettet und nach ihm noch 17 andere, wie Still in seiner Autobiographie schrieb.Dieses Ereignis machte Still und seine unorthodoxe Behandlungsmethode auf einen Schlag bekannt.

Er beschloss, seinen Ansatz auch anderen Medizinern zugänglich zu machen und begann, Osteopathen auszubilden. Im Mai 1892 gründete er die „American School of Osteopathy“ in Kirksville, Missouri. 


Die Medizin zu Zeiten Stills - Andrew, Sohn eines Methodistenpredigers und Arztes, war mit seinen Eltern und vier Geschwistern in die Wildnis nach Kansas gezogen. Die damalige Medizin war sehr rudimentär. Wichtige Methoden waren verschiedene Arten der Ausleitung oder des Aderlasses sowie Medikamente, welche meist mit starken Nebenwirkungen verbunden waren. Zum Beispiel wurden Opium, Morphium und auch Alkohol gegen Schmerzen eingesetzt oder quecksilberhaltige Substanzen bei Infekten. Die Folgen waren nicht selten Abhängigkeit, Haar- und Zahnausfall, neurologische Schäden oder mit anderen Worten: die Behandlungen konnten invasiver und gefährlicher sein als die Krankheiten selbst.

Eine Reihe von Ereignissen trug dazu bei, dass Still schließlich zu einer anderen Medizin fand: Im Jahr 1864 starben drei seiner Kinder an Enzephalitis. Dies war für ihn als Arzt und Vater eine Tragödie. Er konnte seinen Kindern mit den Fertigkeiten der klassischen Medizin nicht helfen. Die Tatsache, dass er, seine Frau und ein weiteres Kind sich jedoch nicht an der hochansteckenden Meningitis infizierten, verstärkte in ihm die Überzeugung, dass ein Mensch, der gesund bleibt, ganz einfach über die hierfür notwendigen Abwehrkräfte verfügt. Er schloss daraus, dass die allopathische Medizin seiner Zeit auf dem falschen Weg sein musste. Diese Überzeugung wurde noch dadurch bestärkt, dass sein Bruder nach der Einnahme eines auf Alkohol basierenden Medikamentes zum Alkoholiker wurde.


Suche nach Gesundheit - Etwa von diesem Moment an beschäftigte Still sich intensiv mit dem Konzept Gesundheit. Er glaubte, dass der Schöpfer die Menschen geschaffen hatte um gesund zu leben und dass eine Krankheit kein normaler Zustand sein konnte. Parallel zu dieser Arbeit an einem osteopathischen Denkgebäude studierte Still mit äußerste Akribie die menschliche Anatomie - und zwar nicht aus Büchern sondern durch eigene Anschauung an Leichnamen. Er tat dies in der Überzeugung, dass hier der Schlüssel für Gesundheit zu finden sein müsse.


Ein berühmter „Jünger": John Martin Littlejohn - Einige Jahre später ließ sich ein Mann mit dem Namen John Martin Littlejohn von Still behandeln. Er war gebürtiger Schotte und Dekan der Universität von Edinburgh, bevor er aus gesundheitlichen Gründen mit seinen Brüdern in die Vereinigten Staaten auswanderte. Weil Still‘s Behandlung an ihm ein voller Erfolg war, beschloss Littlejohn die Osteopathie in Kirksville zu studieren.

Anfang des 20. Jahrhunderts kehrte J. M. Littlejohn schließlich nach England zurück und gründete im Jahr 1917 in London die „British School of Osteopathy“. Dies markierte den Beginn der Osteopathie in Europa.

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